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Chancen der Digitalisierung nutzen und regionale Innovationssysteme stärken 

PUNKT 9

Mittlerweile werden etwa 28 % des Wirtschaftswachstums durch die Branche der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) ausgelöst (WIFO 2019).

99 % der Wohnsitze in Österreich sind grundsätzlich mit Breitbandinfrastruktur mit bis zu 10 Mbit grundversorgt, die regionalen Unterschiede sind aber sehr groß. Der Versorgungsgrad mit einer Kapazität von über 30 Mbit liegt im Durchschnitt bei 90 %, allerdings mit regionalen Schwankungen. Noch größer sind die regionalen Unterschiede bei ultraschnellen Anschlüssen mit zumindest 100 Mbit: Hier liegt der Versorgungsgrad im Durchschnitt bei 81 %. Mehr als 1000 Mbit stehen derzeit 45 % der Haushalte zur Verfügung (Breitbandatlas 2021, ÖROK-Atlas 2019). Die Versorgung mit Breitband nimmt rasch zu, 58 % der Haushalte verfügen bereits über eine 5G-Versorgung (BMLRT 2021).

Die IKT-produzierenden Branchen und die IKT-nutzenden Branchen sind stärker in urbanen Regionen konzentriert, allerdings haben ländliche Regionen im Zeitraum 2010–2017 aufgeholt (WIFO, 2019). Etwa 20 % der Beschäftigten arbeiten in IKT-intensiven Branchen, in höherem Ausmaß wiederum in urbanen Regionen (WIFO 2019).

Die IKT-Nutzung hat durch die Covid-19-Pandemie sowohl bei der beruflichen als auch bei der privaten Nutzung einen Beschleunigungsschub erfahren. Arbeiten und Lernen erfolgt verstärkt im Homeoffice, Dienstreisen werden durch virtuelle Besprechungs- und Konferenzformate, medizinische Services durch Telemedizin und Einkaufswege durch Online-Bestellungen ersetzt. Die Nachfrage nach Wohnflächen und Wohnungsausstattung, Büroflächen, Einkaufsflächen ändert sich ebenso wie der Bedarf nach physischer Erreichbarkeit von Diensten der Daseinsvorsorge. All das wird vielfältige und im Zusammenspiel noch gar nicht abschätzbare räumliche Auswirkungen haben. 

Es ist jedenfalls davon auszugehen, dass die Digitalisierung auch räumliche Strukturen beeinflussen wird, und dass die Chancen und Risiken für eine nachhaltige und gerechte Raumentwicklung erkannt werden müssen, damit eine gezielte Raumpolitik formuliert werden kann. Die Digitalisierung wirft auch Fragen des Zugangs zu privaten und öffentlichen Daten für die planenden Institutionen auf.

Die Digitalisierung ist auch eine zentrale Antriebskraft für Innovation. Österreich hat sich in der Strategie für Forschung, Technologie und Innovation (FTI-Strategie) 2030 zum Ziel gesetzt, vom „Innovation Follower“ zum „Innovation Leader“ zu werden. Innovationsfähigkeit ist für einen Hochlohnstandort im globalen Standortwettbewerb eine Notwendigkeit. Es liegt daher im Gesamtinteresse Österreichs, aber auch im Eigeninteresse der Regionen, dass Innovationspotenziale möglichst flächendeckend gehoben werden. Das bedingt eine Öffnung und stärkere Diversifizierung regionaler Innovationsprozesse, da Innovationen am besten im Rahmen eines förderlichen und unterstützenden Umfeldes, eines „Innovations(-öko-)systems“ gedeihen. Ziel ist die Übersetzung erfolgreicher Innovationen in regional und global funktionale Geschäfts- und Organisationsmodelle. Der Innovationsbegriff schließt dabei wirtschaftliche und soziale Innovationen im Sinne systemischer, organisatorischer Erneuerungen und Prozessinnovationen ebenso wie technologische Komponenten mit ein.

Die Konzepte einer Smart City als auch des Smart Village der EU beschreiben die digitale Transformation von Gemeinden/Städten und Regionen als wichtiges Element zukünftiger Entwicklungsprozesse unter Einbeziehung gesellschaftlicher Gruppen von Akteur:innen. Regionale Innovationssysteme spielen aber auch eine wichtige Rolle im Rahmen der „smarten Spezialisierung“, also einer Entwicklung, die auf den regionalen Stärken und Potenzialen aufbaut. 

Folgende Kernmaßnahmen und Arbeitsformate werden zur Umsetzung vorgeschlagen: 

  • Die Einrichtungen von ÖREK-Parternschaften zu den Themen „Chancen der Digitalisierung nutzen“ und „regionale Innovationssysteme stärken“ prüfen. 
  • Analysen der räumlichen Auswirkungen der Digitalisierung (z.B. Homeoffice, Industrie 4.0, virtuelle Kommunikation, Online-Handel, etc.) ausarbeiten: Identifizierung von Steuerungsmechanismen und -notwendigkeiten, Versorgung von Gebieten mit digitaler Infrastruktur, Motivation und Unterstützung der Bevölkerung bei der Nutzung digitaler Angebote der Daseinsvorsorge etc.
  • Analysen zum Verständnis des Ökosystems der Innovation, der Ausbreitung von Innovation unter den rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen zur Stärkung von regionalen Innovationskapazitäten ausarbeiten. Methoden und Instrumente zur besseren Messung und Quantifizierung von Innovation und regionaler Innovationspotenziale aufbereiten. Gute Beispiele sammeln und Wissensaustausch vor allem im Rahmen des Mehrebenensystems unterstützen.

Folgende unterstützende Maßnahmen und Arbeitsformate können zur Umsetzung beitragen:

  • Eine Übersicht über bestehende Unterstützungsinstrumente im Bereich der Digitalisierung und Innovationssysteme erstellen, Motivationsfaktoren und Hemmnisse der Nutzung identifizieren und darauf aufbauend die Entwicklung maßgeschneiderte Bundes- und Landesinstrumente (z.B. Förderungen) prüfen.
  • Grundlagen für eine faire und effiziente Ausbaustrategie der digitalen Infrastruktur entwickeln.
  • Die Umsetzung von Pilotprojekten oder von Modellregionen „Regionale Innovationssysteme“ in Abstimmung mit den Ländern und eingebettet in bestehende rechtliche und organisatorische Strukturen der (stadt-)regionalen Handlungsebene prüfen.
  • Studie zu generellen Aspekten für regionale Innovationsstrategien und –netzwerke unter Nutzung der Möglichkeiten der Digitalisierung ausarbeiten.
  • Digitale Transformationspfade im regionalen Kontext inklusive digitaler Anwendungen und damit in Zusammenhang stehenden Fragestellungen entwickeln (z.B. Datenschutz, Datenverfügbarkeit, Smartness-Kriterien).
  • Studie zur Multilokalität ausarbeiten, Evidenzen aufbereiten und publizieren.