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Frei- und Grünräume sowie deren Funktionen erhöhen und sichern und Eignung für multifunktionale Nutzungen stärken

ZIEL 5

Die Sicherung, Vernetzung, Entwicklung und funktionsgerechte Bewirtschaftung von Frei- und Grünflächen gewinnt an Priorität. Sie stehen im Kontext der bereits spürbar wirksamen Auswirkungen des Klimawandels sowie fortschreitender Biodiversitätsverluste. Frei- und Grünräume bilden die Grundlage und das Rückgrat für eine resiliente und nachhaltige Entwicklung. Sie bestimmen in hohem Maß die Lebensqualität der Bevölkerung.

„Die Entsiegelung braucht es nicht nur als Kompensation, sondern auch für sich aktiv und damit netto-entsiegelnd – für die ökologische Nachhaltigkeit und Erreichung der Klimaziele (Ausbau der Senken).“

Karl Steininger, Klimaökonom, Universität Graz

Dieses Ziel greift die Herausforderungen der Freiraumsicherung auf. Es umfasst die notwendigen Maßnahmen im Zusammenhang mit steigendem Siedlungsdruck und die Konkurrenz von unterschiedlichen Freiraumfunktionen bzw. -nutzungen auf ein und derselben Fläche. Es braucht Maßnahmen zum Erhalt von naturräumlichen Ressourcen, zum Erhalt der Qualität sowie Erholungswert der Landschaft und Biodiversität sowie Maßnahmen zum Stopp des Verlustes von Arten und Lebensräumen. Diese Maßnahmen benötigen mehr denn je eine integrierte und gleichwertige Betrachtung der Planungsgegenstände Siedlungsraum und Frei- bzw. Grünraum, insbesondere in Bezug auf Natur- und Kulturlandschaften.

Die räumliche Bezugsebene von Frei- und Grünräumen spannt in diesem Ziel den Bogen von vergleichsweise kleinen Grünflächen innerhalb bebauter Gebiete bis zu zusammenhängenden Freiraumkorridoren, großflächigen Landschaftsräumen und Schutzgebieten sowie deren Vernetzung. Unter grüner Infrastruktur wird dabei ein strategisch geplantes Netzwerk ökologisch wertvoller natürlicher und naturnaher Flächen mit Umweltelementen verstanden. Das Netzwerk soll so angelegt und bewirtschaftet werden, dass sowohl im urbanen als auch im ländlichen Raum ein breites Spektrum an Ökosystemdienstleistungen gewährleistet und die biologische Vielfalt geschützt ist.

Grün- und Freiflächen sichern und vernetzen und klimawandelrelevante Funktionen sowie Biodiversität stärken

Handlungsauftrag 1.5.a:

Der Verbund von Grün- und Freiflächen unterliegt komplexen Wirkzusammenhängen und unterschiedlichen Funktionen im Raum. Sie sind aufbauend auf fachlichen Grundlagen differenziert sichtbar zu machen. So gelingt es, der Vielfalt an Funktionen im Rahmen von planerischen Maßnahmen gerecht zu werden – insbesondere den klimawandelrelevanten Funktionen und Erholungsfunktionen. Einzelne Nutzungen können in Bezug auf den Klimaschutz zu Interessens- und Nutzungskonkurrenzen auf ein und derselben Flächen führen. Sie müssen systematisch und räumlich differenziert betrachtet und die Wirkungen in Bezug auf das Ökosystem bzw. die Biodiversität bewertet werden. Darüber hinaus sind auch die Erholungsfunktionen – insbesondere von städtischen Grünräumen – in der Betrachtung und Bewertung zu berücksichtigen.

Mögliche ÖROK-Arbeitsformate und Maßnahmen:

  • Die Einrichtung einer ÖREK-Partnerschaft zum Thema „Freiraumentwicklung, Ressourcenschutz und Klimawandel“ prüfen: Ziele und Grundsätze im Zusammenhang mit den Funktionen von Frei- und Grünräumen sowie Natur- und Kulturlandschaften im Kontext des Klimawandels und Biodiversitätsschutzes und den Anforderungen an Erholungsbedürfnisse zur Aufnahme in den Raumordnungsgesetzen erarbeiten.
  • Kriterien und Grundlagen zur robusten und nachvollziehbaren Auswahl und Abwägung von Grün- und Freiraumfunktionen ausarbeiten. Wo sinnvoll und möglich, im ÖROK-Atlas zugänglich machen.
  • Interessens- und Nutzungskonflikte auf Grün- und Freiräumen benennen und Wirkungen von Nutzungen umfassend betrachten – insbesondere in Bezug auf Klimafunktionen und neuer Funktionskategorien wie z.B. Klimavorsorge-, Vorrang-, Vorbehalts-, Vorhalte- und Eignungsflächen, aber auch in Bezug auf Erholungsfunktionen.
  • Modelle und Möglichkeiten zur finanziellen Berücksichtigung von ökosystembasierten Dienstleitungen sowie Steigerung der Erholungseignung im Zusammenhang mit fiskalpolitischen Instrumenten prüfen und deren räumliche Wirkung aufzeigen.

Raumtypen

alle ÖREK-Raumtypen mit raumtypenspezifischer Differenzierung


Relevante Systeme von Akteur:innen

Bund, ÖROK, Länder, Städte, Gemeinden, Fachplaner:innen sowie Wissenschafter:innen aus den Bereichen Raumordnung, Ökosystem- und Biodiversitätsforschung sowie Klimaforschung, Non-Profitorganisationen im Bereich Natur- und Artenschutz


Instrumente

ÖROK-Empfehlung, formelle Instrumente der überörtlichen und örtlichen Raumplanung, naturkundefachliche Planungsinstrumente, Bewusstseinsbildung, ÖROK-Atlas

Grüne und blaue Infrastruktur integriert und gleichwertig zur baulichen Entwicklung planen

Handlungsauftrag 1.5.b:

Grün- und Freiräume rücken im Zusammenhang mit den Folgen des Klimawandels in den Fokus einer nachhaltigen und gerechten Raumplanung. Bisher stand vor allem die bauliche Entwicklung im Zentrum der Planungsinstrumente. Dazu wurde über die Jahre ein sehr differenziertes System von Reglungen und Vorgaben zur Steuerung entwickelt. Jetzt bedarf es einer vergleichbar differenzierten Betrachtung und Entwicklung von Instrumenten für die Planung von Grün- und Freiräumen.

Mögliche ÖROK-Arbeitsformate und Maßnahmen:

  • Die Einrichtung einer ÖREK-Partnerschaft zum Thema „Freiraumentwicklung, Ressourcenschutz und Klimawandel“ prüfen. Leitlinien zur multifunktionalen Frei- und Grünraumplanung für die jeweiligen Maßstabsebenen und Raumtypen erarbeiten.
  • Quantitative Zielwerte für grüne Infrastruktur in Siedlungsräumen entwickeln und auf Umsetzbarkeit prüfen. Möglichkeiten zur Sicherung und Ausbau der grünen Infrastruktur im Rahmen von privatrechtlichen Maßnahmen ergänzend zu den Instrumenten der örtlichen Raumordnung (Flächenwidmungs- und Bebauungsplan) rechtlich prüfen und aufzeigen.
  • Gute Beispiele aufbereiten und Wirkzusammenhänge von Frei- und Grünraumnutzungen sowie den zugrundeliegenden Ökosystemleistungen aufzeigen.
  • Natur-/ökosystembasierte Leistungen von Freiräumen für Klimaschutz und Klimawandelanpassung, die regionale Lebensmittelversorgung sowie die Erholungsfunktion aufzeigen. Mehrfachnutzen für Gesellschaft und Umwelt darstellen und durch Festlegung multifunktionaler Planungskategorien und Schaffung entsprechender Anreize umsetzen.
  • Leitlinien und Ausgleichsmechanismen zum örtlich differenzierten Umgang mit dem Zielkonflikt zwischen baulicher (Nach-)Verdichtung einerseits sowie Freiraumsicherung und Durchgrünung andererseits ausarbeiten und gute Praxisbeispiele aufbereiten.

Raumtypen

alle ÖREK-Raumtypen mit raumtypenspezifischer Differenzierung


Relevante Systeme von Akteur:innen

Bund, ÖROK, Städte, Länder, Gemeinden und Fachplaner:innen sowie Wissenschafter:innen aus den Bereichen Raumordnung sowie Freiraum- und Landschaftsplanung


Instrumente

ÖROK-Empfehlung, formelle Instrumente der überörtlichen und örtlichen Raumplanung, Naturwerteplanungen, landschaftspflegerische Begleitplanungen

Eingriffe in Grün- und Freiräume zielorientiert ausgleichen

Handlungsauftrag 1.5.c:

Im Rahmen von Genehmigungsverfahren – insbesondere im Rahmen von Umweltverträglichkleitsprüfungen – werden zur Minderung und zum Ausgleich von Eingriffen Maßnahmen seitens der Projektwerber:innen geplant und/oder durch die Genehmigungsbehörden vorgeschrieben. Dazu bedarf es der Zustimmung der Grundeigentümer:innen der dafür erforderlichen Flächen. Oft sind Flächen für Maßnahmen aber nicht verfügbar. Eine Überprüfung solcher Maßnahmen auf ihre Wirkung hinsichtlich Naturschutz und Klimaschutz – aber auch auf den Erhalt landwirtschaftlicher Produktionsflächen – ist noch nicht ausreichend in den gesetzlichen Vorgaben verankert. Optimierungsmöglichkeiten bestehen daher sowohl in der vorausschauenden Sicherung der Verfügbarkeit der Flächen für die Umsetzung der Maßnahmen als auch in der Überprüfung der Vereinbarkeit der Funktionen dieser Flächen.

Mögliche ÖROK-Arbeitsformate und Maßnahmen:

  • Modelle und Prozesse zum Aufbau von regionalen Ausgleichsflächenpools erarbeiten und Umsetzungserfordernisse sowie Grundlagen auf fachlicher sowie rechtlicher Ebene bundesweit darstellen bzw. konkretisieren. Diese auf Wirkungen zum Klima- und Biodiversitätsschutz sowie Ernährungssicherheit fokussieren. Realisierte flächenbezogenen Ausgleichsmaßnahmen österreichweit erfassen.

Raumtypen

alle ÖREK-Raumtypen mit raumtypenspezifischer Differenzierung


Relevante Systeme von Akteur:innen

Bund, Länder, Regionen, Städte, Gemeinden, ÖROK, Fachplaner:innen, Vorhabensträger:innen, Grundeigentümer:innen


Instrumente

regionale Flächenpools für Ausgleichsmaßnahmen, Instrumente zur Sicherung der Verfügbarkeit von Flächen und deren Vorhaltung für entsprechende Ausgleichsmaßnahmen